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LNGR SPKRHIFI. ZWEI WEGE. HANDARBEIT.

LNGR Lernwerkstatt / 01 + 02

Schall verstehen.
Die Box berechnen.

Wie entsteht Schall? Wie berechnet man das Nettovolumen einer Box? Zwei kostenlose Lernbausteine mit Aufgaben, Rechenwegen und aufklappbaren Lösungen.

Zwei Lernbausteine40–45 minOhne VorkenntnisseDE / EN

Baustein 01 · Grundlagen · etwa 20 Minuten

Wie aus Membranbewegung Schall entsteht

Ein Tieftöner liegt auf der Werkbank. Membran, Korb, Magnet: Eigentlich sieht er schon wie ein fertiger Lautsprecher aus. Warum bauen wir dann eine Kiste darum?

Die Antwort beginnt bei der Luft vor und hinter der Membran. In diesem Baustein lernst du, wie eine Membran Schall erzeugt, warum ein frei liegender Tieftöner im Bass schwächelt und was ein Gehäuse daran verändert. Vorkenntnisse brauchst du nicht. Papier und Stift reichen.

1 · Die Störung wandert, die Luft bleibt in der Nähe

Stell dir eine Reihe Menschen vor, die mit etwas Abstand hintereinander stehen. Die erste Person bewegt sich kurz nach vorne, die nächste reagiert, dann die nächste. Eine Bewegung wandert durch die Reihe, obwohl niemand vom Anfang bis ans Ende läuft.

Ähnlich breitet sich Schall in Luft aus: Luftteilchen bewegen sich kleinräumig hin und her. Dabei entstehen Bereiche mit etwas höherem und etwas niedrigerem Druck. Diese Druckänderungen werden weitergegeben. Am Ohr bringen sie das Trommelfell zum Schwingen.

Der Lautsprecher schickt also keinen Luftklumpen quer durchs Zimmer. Die Analogie hat allerdings Grenzen: Luft ist dreidimensional, und ihre Teilchen bewegen sich ohnehin ungeordnet. Das zusätzliche Hin und Her beschreibt hier die Schallbewegung.

2 · Was die Membran bewegt

Die Membran ist die bewegliche Fläche des Chassis. Bei einem üblichen dynamischen Lautsprecher hängt daran eine Schwingspule: eine Drahtwicklung in einem Magnetfeld. Der Verstärker liefert ein wechselndes elektrisches Signal. Strom durch die Spule erzeugt eine Kraft. Mit der Stromrichtung wechselt die Kraftrichtung. Spule und Membran bewegen sich vor und zurück.

Für unser erstes Modell betrachten wir die Membran als steife Fläche, die gemeinsam schwingt. Bei realen Chassis gilt das nicht über den gesamten Frequenzbereich.

Bewegt sich die Membran nach vorne, verdrängt sie vorne Luft und schafft hinten mehr Platz. Vereinfacht wird die Luft vorne zusammengedrückt und hinten entspannt. Bei der Bewegung nach hinten kehrt sich das um. Beide Seiten erzeugen Schallanteile mit entgegengesetztem Vorzeichen. Die Rückseite ist keineswegs still.

Rückseitemehr PlatzLuft entspannt sich
Membran→Bewegung nach vorne
VorderseiteVerdrängungLuft wird verdichtet

Schematisches Bild für den Einstieg, keine maßstäbliche Darstellung und keine vollständige Beschreibung von Druck und Phase im Schallfeld.

3 · Schnell schwingen ist etwas anderes als weit schwingen

Zwei Größen, die du auseinanderhalten solltest
BegriffBedeutungBeispiel
Frequenz fVollständige Schwingungen pro Sekunde100 Hz = 100 Schwingungen pro Sekunde
AuslenkungMomentaner Abstand von der RuhelageDie Membran steht gerade 1 mm nach vorne.
AmplitudeMaximale Auslenkung der betrachteten Schwingung−1 bis +1 mm: Amplitude 1 mm, Spitze–Spitze 2 mm

Bei einem reinen Ton bestimmt die Frequenz die Tonhöhe. Größere Auslenkung erzeugt bei gleicher Frequenz und ansonsten gleichen Bedingungen normalerweise mehr Schallpegel, solange das Chassis linear arbeitet. Aus „1 mm Auslenkung“ allein folgt aber kein bestimmter Pegel. Dazu fehlen unter anderem Frequenz, Membranfläche, Einbausituation und Hörabstand.

4 · Warum die Rückseite dem Bass in die Quere kommt

Bei einem ausgebauten Chassis ist der Weg von hinten nach vorne um den Rand kurz. Dort überlagern sich die Schallanteile. Trifft eine positive Druckschwankung auf eine ähnlich große negative, fällt ihre Summe kleiner aus. Diese Abschwächung kann im Bass stark sein. Sie heißt akustischer Kurzschluss und hat nichts mit einem elektrischen Kurzschluss zu tun.

Tiefe Töne haben lange Wellenlängen. Der Umweg um ein kleines Chassis ist im Verhältnis dazu kurz. Seine Laufzeit verändert die ursprünglich gegenphasige Beziehung nur wenig, sodass sich die Beiträge stark abschwächen können. Vollständige Stille entsteht deshalb nicht überall: Frequenz, Geometrie und Beobachtungsrichtung spielen mit hinein.

5 · Jetzt bekommt die Formel einen Sinn

Die Wellenlänge λ ist der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Stellen gleichen Schwingungszustands, etwa zwischen zwei Druckmaxima. Wir rechnen für Luft bei ungefähr 20 °C mit einer Schallgeschwindigkeit c von 343 Metern pro Sekunde.

λ = c ÷ f
Wellenlänge in m = Schallgeschwindigkeit in m/s ÷ Frequenz in 1/s

Für 100 Hz setzen wir ein:

λ = 343 m/s ÷ 100 1/s = 3,43 m

Die Sekunden kürzen sich weg; als Einheit bleiben Meter. Ein Chassis mit wenigen Dezimetern Durchmesser ist gegenüber dieser Wellenlänge klein.

Wellenlängen im Vergleich
FrequenzWellenlänge
50 Hz6,86 m
100 Hz3,43 m
1.000 Hz0,343 m = 34,3 cm

6 · Was das Gehäuse verändert

Ein geschlossenes Gehäuse trennt Vorder- und Rückseite. Rückseitiger Schall gelangt nicht mehr auf kurzem Weg um den Korb nach vorne. Außerdem wirkt die eingeschlossene Luft wie eine zusätzliche Feder: Wird sie zusammengedrückt oder ausgedehnt, entsteht eine rückstellende Kraft auf die Membran.

Das Gehäuse ist damit ein akustisches Bauteil. Eine kleinere geschlossene Box hat unter sonst vergleichbaren Bedingungen eine steifere Luftfeder. Ihr Volumen verändert das Schwingungsverhalten des Systems. Weder „kleiner“ noch „größer“ ist grundsätzlich richtig.

Drei Einbausituationen
BauweiseGrundidee
GeschlossenTrennt Vorder- und Rückseite; die eingeschlossene Luft wirkt als Feder.
BassreflexLuft im Gehäuse und im Kanal bilden ein Resonanzsystem. Der Kanal trägt besonders im Bereich der Abstimmung zur Schallabstrahlung bei.
Offene SchallwandVerlängert den Weg zwischen Vorder- und Rückseite. Rückseitiger Schall wird weiterhin abgestrahlt.

Ein Bassreflexkanal ist kein beliebiges Loch: Kanalabmessungen und Gehäusevolumen müssen zusammenpassen. Ein Lautsprecher braucht also nicht zwingend eine geschlossene Kiste. Er braucht eine zum Chassis und zum Ziel passende akustische Einbausituation.

7 · Deine Transferaufgabe

Abschluss · 2 Minuten: Vervollständige ohne Nachlesen: „Die Membran erzeugt Schall, indem … Auf ihrer Rückseite … Ein Gehäuse verändert …“

Modellgrenzen: kleine Schwingungen, vereinfacht steife Membran, direkte Schallabstrahlung ohne Raumeinflüsse. Alle Zahlen sind Lehrbeispiele und keine Messdaten eines LNGR-Projekts.

Baustein 02 · Gehäuseentwicklung · etwa 20–25 Minuten

Vom Außenmaß zum echten Nettovolumen

320 × 320 × 300 Millimeter: Das klingt nach einer klar beschriebenen Box. Wie viel Luft darin tatsächlich arbeiten kann, wissen wir damit noch nicht.

Zuerst nehmen die Wände Platz ein, dann Chassis, Verstrebungen und Elektronik. In dieser Praxisaufgabe rechnest du Schritt für Schritt vom Außenmaß bis zum freien Innenvolumen. Du brauchst Grundrechenarten, Papier, Stift und einen Taschenrechner. Für den praktischen Teil kommen ein Lineal und eine kleine Schachtel dazu.

1 · Warum Außenvolumen nicht Arbeitsvolumen ist

Wer die Außenmaße multipliziert, erhält:

0,32 m × 0,32 m × 0,30 m = 0,03072 m³
0,03072 m³ × 1.000 l/m³ = 30,72 l

Diese 30,72 Liter umfassen auch sämtliche Wände. Das innere Bruttovolumen ist dagegen der Raum innerhalb der Wände, bevor Einbauten abgezogen werden. Das Nettovolumen bleibt nach Abzug ihrer Verdrängungen übrig.

2 · Die Planungsaufgabe

Ein kompakter Aktivlautsprecher als Rechenbeispiel
GrößeWert
Außenbreite / Außenhöhe / Außentiefe320 / 320 / 300 mm
Materialstärke an allen sechs Seiten15 mm
Verdrängung des Tieftöners1,20 l
Verdrängung der Verstrebung0,45 l
Verdrängung der Elektronik0,35 l
Gewünschtes Nettovolumen20,0 l

Wir betrachten einen einfachen Quader mit gleich starken Wänden. Die angegebenen Verdrängungen sind vorgegebene Lehrwerte, keine Daten eines konkreten Chassis oder Bauplans.

3 · Erst selbst rechnen

4 · Der vollständige Rechenweg

Teil 1 öffnen: Innenmaße bestimmen

Links und rechts begrenzen zwei Seitenwände die Breite. Deckel und Boden begrenzen die Höhe, Front und Rückwand die Tiefe. Darum wird jeweils zweimal die Materialstärke abgezogen.

binnen = 320 − 2 × 15 = 290 mm = 0,290 m
hinnen = 320 − 2 × 15 = 290 mm = 0,290 m
tinnen = 300 − 2 × 15 = 270 mm = 0,270 m
Teil 2 öffnen: Bruttovolumen und Kontrollrechnung

Zuerst die innere Grundfläche:

0,290 m × 0,290 m = 0,0841 m²

Dann mit der Innentiefe multiplizieren:

0,0841 m² × 0,270 m = 0,022707 m³
0,022707 m³ × 1.000 l/m³ = 22,707 l ≈ 22,71 l

Kontrolle in Millimetern:

290 × 290 = 84.100 mm²
84.100 mm² × 270 mm = 22.707.000 mm³
22.707.000 mm³ ÷ 1.000.000 mm³/l = 22,707 l

Beide Wege liefern dasselbe Ergebnis. Runde erst am Ende, damit kleine Abweichungen nicht in die nächsten Rechenschritte wandern.

Teil 3 öffnen: Nettovolumen und passende Tiefe

Die Einbauten verdrängen zusammen:

1,20 + 0,45 + 0,35 = 2,00 l
Vnetto = 22,707 − 2,00 = 20,707 l ≈ 20,71 l

Mindestens 20 Liter sind vorhanden. Genau 20,0 Liter werden aber nicht getroffen. Der Überschuss beträgt 20,707 − 20,0 = 0,707 l, also ungefähr 0,71 l.

Mit dem zusätzlichen Kanal:

20,707 − 1,000 = 19,707 l
20,000 − 19,707 = 0,293 l fehlen

Die Reserve reicht also nicht vollständig. Bei unveränderter Innenbreite und Innenhöhe lässt sich die fehlende Tiefe berechnen:

0,293 l = 293.000 mm³
Δt = 293.000 mm³ ÷ (290 mm × 290 mm)
Δt ≈ 3,48 mm

Die Außentiefe müsste rechnerisch von 300 auf etwa 303,48 mm wachsen. Praktisch sind 305 mm leichter umzusetzen. Das ergibt dann 290 × 290 × 275 ÷ 1.000.000 − 3,00 = 20,1275 l. Auch das ist eine kleine Reserve, nicht exakt 20 Liter.

Ohne Kanal werden für exakt 20 Liter netto insgesamt 22 Liter brutto benötigt:

tinnen = 22.000.000 mm³ ÷ 84.100 mm² ≈ 261,59 mm
taußen ≈ 261,59 + 30 = 291,59 mm

Alternativ kann die ursprüngliche Tiefe bleiben, wenn ein zusätzlicher fester Einbau 0,707 Liter verdrängt. Ob eine solche Anpassung akustisch nötig ist, entscheidet die konkrete Entwicklung.

5 · Volumen mit einer Schachtel begreifen

Miss eine rechteckige Schachtel außen und bestimme ihre Wandstärke. Berechne den Innenraum. Lege dann einen Radiergummi oder Holzklotz hinein, miss dessen Abmessungen und bestimme sein Volumen.

Vfrei = VSchachtel, innen − VGegenstand

6 · Vier typische Fehler vermeiden

Nur eine Wand abziehen
Jede Raumrichtung hat zwei gegenüberliegende Begrenzungen. Bei gleicher Stärke gilt: Innenmaß = Außenmaß − 2 × Wandstärke.
Millimeter mit Litern verwechseln
Volumen ist dreidimensional. 1.000 mm entsprechen einem Meter, aber 1.000.000 mm³ erst einem Liter.
Chassis und Kanal zu grob schätzen
Berücksichtige nur den tatsächlich innenliegenden Anteil. Die äußere Hüllform eines offenen Chassiskorbs ist nicht vollständig festes Material. Nutze möglichst eine passende Herstellerangabe. Ein innenliegender Bassreflexkanal wird einschließlich seiner Wände und seiner Kanalluft vom Gehäusevolumen abgezogen: Die Kanalluft gehört zum Resonator, nicht zum nachgiebigen Luftvolumen der Kammer. Geteilte Wände nicht doppelt abziehen.
Dämmstoff wie einen Holzblock behandeln
Locker eingefüllter Dämmstoff besteht größtenteils aus Luft. Sein äußeres Packmaß wird nicht als massiver Block abgezogen. Er kann die akustisch wirksame Nachgiebigkeit erhöhen. Geometrisches Nettovolumen und akustisch wirksames Volumen sind deshalb nicht immer gleich; die Wirkung hängt von Material, Menge, Position und Frequenz ab.

Lehrmodell, kein freigegebener LNGR-Bauplan. In einer realen Konstruktion gehören auch Passivmembranen, Anschlussfelder, Kabelkanäle und getrennte Elektronikkammern in die Volumenbilanz. Eine festgelegte Literzahl allein sagt noch nicht, ob ein bestimmtes Chassis darin sinnvoll arbeitet.

Weiterlernen

Quellen & Literatur

Weiterführende Fachliteratur zu Gehäusesystemen und Lautsprechergrundlagen:

Martin Colloms & Paul Darlington: High Performance Loudspeakers, 6. Auflage, Wiley, 2005. ISBN 0-470-09430-3.

Vollständige Literaturangabe →

Die Rechnungen dieser Seite verwenden die ausdrücklich genannten Lehrwerte. Das Buch dient der Vertiefung; ein Volltext ist nicht Bestandteil dieser Seite.